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22. September 2022 - 7 minutes

Der Good Designer's Leitfaden zu Dark Patterns: Was sie sind und wie man sie vermeidet

Dark Patterns nutzen die Gutgläubigkeit der Nutzer aus. Lerne hier, was Dark Patterns sind, warum sie unethisch sind und wie man deren Nutzung vermeiden kann.

Frida Chacin Kulak - Tech Writer

UX/UI Design hat eine starke psychologische Komponente. Wissenschaft, Daten und Kunst spielen gemeinsam eine Rolle, wenn es darum geht, reibungslose und angenehme Benutzeroberfl√§chen und Nutzererlebnisse zu gestalten. UX/UI Designer versuchen herauszufinden, was genau Nutzer f√ľr ein Produkt oder eine Dienstleistung begeistert und wie sie mit ihrem Design ein Gef√ľhl des Vertrauens vermitteln k√∂nnen, um das Unternehmen zum Erfolg zu f√ľhren.

Marketingexperten wissen, welche Wortkombinationen Bilder und Emotionen hervorrufen k√∂nnen. Ebenso nutzen Designer Webdesigns, Customer-Journey-Analysen und viele andere Tools und Hilfsmittel, um Nutzer zu gewinnen und zu begeistern und ihr Nutzererlebnis auf der Website oder in der App auf die n√§chste Stufe zu heben. Es ist jedoch eine Sache, zu versuchen, ein ansprechendes Erlebnis zu schaffen, und eine andere Sache, den Nutzer dazu zu verleiten, auf etwas zu klicken oder etwas zus√§tzlich zu seinem Warenkorb hinzuzuf√ľgen, ohne es bewusst wahrzunehmen. Diese fragw√ľrdigen Taktiken nennt man Dark Patterns.

Was sind Dark Patterns?

Dark Patterns sind Benutzeroberfl√§chen und Nutzererlebnisse, wie du sie auf Webseiten und in Apps findest, die absichtlich (d.¬†h. mit voller Absicht!) so gestaltet sind, dass sie den Benutzer dazu verleiten, bestimmte Dinge zu tun, z.¬†B. sich versehentlich f√ľr eine zus√§tzliche ‚ÄěVersicherung‚Äú anzumelden, wenn er ein Erlebnis kauft. Sie k√∂nnen auch getarnte Werbung sein, d.¬†h. Werbung, die nicht wie Werbung aussieht, damit der Benutzer darauf klickt.

Diese Taktiken gibt es nicht nur in der digitalen Welt. Dark Patterns gab es sozusagen schon immer: Ein einfaches Beispiel ist ein Kreditunternehmen, das einen g√ľnstigen Zinssatz verspricht, aber im Kleingedruckten zus√§tzliche Geb√ľhren versteckt.

Ehrlicherweise wei√ü jeder anspruchsvolle Nutzer, dass die meisten Webseiten und Apps darauf ausgelegt sind, Gewinn zu machen ‚Äď es geht hier immer noch um das Gesch√§ft und es ist nichts falsch daran, Waren und Leistungen zu verkaufen! Machen wir uns nichts vor, wenn es darum geht, was UX/UI Designer erreichen wollen: Ein ermutigendes, leicht verst√§ndliches und nahtloses Nutzererlebnis zu schaffen, nur, um genau diesem Nutzer einen Gefallen zu tun. Angenehme Webseiten und leicht navigierbare Verkaufstrichter helfen dabei, das Interesse des potenziellen Kunden zu wecken und zu erhalten, sodass die Kunden im gesamten Prozess nicht verloren gehen (sei es aufgrund von Verwirrung oder weil sie es als zu m√ľhsam empfanden, den Verkauf abzuschlie√üen).

Gute, sogenannte White (‚ÄěWei√üe‚Äú) UX-UI versucht jedoch nicht, die Nutzer zu t√§uschen, damit sie den Unternehmen Impressions oder Geld geben, ohne dabei zu wissen, worauf sie sich eingelassen haben. Deshalb gelten Dark Patterns in der Welt von UX/UI als absolutes Tabu und als eine verdrehte Praxis, die Unternehmen einen schlechten Ruf f√ľr Unehrlichkeit und Fehlverhalten einbringen.

Einige Beispiele haben wir bereits genannt, wie getarnte Werbung oder das Einschleusen von Artikeln und Zusatzkosten in den Warenkorb durch das Verstecken von Opt-Out-Optionen. Das sind jedoch nur einige der am weitesten verbreiteten Dark Patterns, die heutzutage verwendet werden:

Forced Continuity (erzwungene Kontinuität)

Hast du jemals ein kostenloses Probeabonnement abgeschlossen, das nach seinem Ablauf automatisch zu einem Vollabonnement wurde, ohne dich dar√ľber zu informieren, wann oder wie du das Abonnement k√ľndigen kannst, bevor es dir in Rechnung gestellt wird, oder ohne dir die K√ľndigungsoption anzuzeigen oder es dir erheblich zu erschweren, zu k√ľndigen, bevor das Probeabonnement ausl√§uft? Dich nicht rechtzeitig zu warnen, damit du dich entscheiden kannst, ob du bleiben m√∂chtest oder nicht, gilt als √§u√üerst unethisch und viele bekannte Unternehmen haben sich dessen schuldig gemacht.

Roach Motel (‚ÄěSchaben-Motel‚Äú)

Dies bezeichnet eine Situation, in denen Unternehmen dir die M√∂glichkeit geben, dich problemlos f√ľr Dienste oder Abonnements anzumelden, die Option zum Abmelden aber verbergen. In einigen L√§ndern ist es sogar gesetzlich vorgeschrieben, in jeder E-Mail die M√∂glichkeit zur Abmeldung von Newslettern vorzusehen. Aber das war nicht immer der Fall. Vor nicht allzu langer Zeit sind einige Unternehmen sogar so weit gegangen, dass sie dich dazu aufgefordert haben, den Newsletter per Post abzubestellen!

Bait and Switch (Ködern und Wechseln)

Diese Lockvogeltaktik ist, wie das Wort ‚ÄěBait‚Äú (K√∂der) schon verr√§t, ein Versuch, den Nutzer dazu zu bringen, eine Sache zu tun, w√§hrend er denkt, er tue etwas anderes. Ein Beispiel daf√ľr w√§re, f√ľr einen Artikel zu werben, dem K√§ufer aber eine andere, qualitativ schlechtere Version des Artikels zu senden. Oder ein tolles Angebot zu machen, und den Nutzer dann zu informieren, dass der Artikel nicht verf√ľgbar ist und stattdessen die teurere Variante anzubieten.

Hidden Costs (versteckte Kosten)

Ein Unternehmen nutzt das Dark Pattern ‚ÄěHidden Costs‚Äú (versteckte Kosten), wenn es unerkl√§rte zus√§tzliche Kosten oder Geb√ľhren auf deine Rechnung aufschl√§gt. Die Grenze beim Hinzuf√ľgen von Bearbeitungs- und Verarbeitungsgeb√ľhren ist gerade beim Online-Handel nicht sehr klar, aber einige Unternehmen gehen hier zu weit. Wenn du die Versand- und Zusatzkosten erst dann siehst, wenn du den Einkaufsprozess durchlaufen, dich angemeldet und deine Adress- und Kontaktdaten angegeben hast, wird dieses Dark Pattern gegen dich verwendet.

Misdirection (Irref√ľhrung)

Die sogenannte Irref√ľhrung liegt dann vor, wenn Nutzer abgelenkt werden, um Aktionen hinter ihrem R√ľcken durchzuf√ľhren. Softwareinstallationsassistenten, die heimlich Antivirenprogramme und Navigationsleisten installieren oder die bevorzugte Suchmaschine des Nutzers √§ndern, sind ein Beispiel der Irref√ľhrungstaktik, die vor einigen Jahren sehr beliebt war.

Price Comparison Prevention (Verhinderung von Preisvergleichen)

Manchmal versuchen Unternehmen, Vergleichswebseiten zu behindern, indem sie die Kosten f√ľr einen einzelnen Artikel nicht anzeigen, um einen Vergleich mit kosteng√ľnstigeren Alternativen zu verhindern. Stattdessen verkaufen sie den Artikel in einem Paket, ohne den Einzelpreis anzugeben. Telefongesellschaften sind ber√ľchtigt daf√ľr, dass sie Zusatzkosten verstecken und damit einen ehrlichen Wettbewerb verhindern.

Trick Questions (Trickfragen)

Dies ist der Fall, wenn Unternehmen dir Fragen zur Einwilligung stellen, die absichtlich verwirrend oder irref√ľhrend formuliert sind, um dich dazu zu bringen, durch das Anklicken von K√§stchen zu etwas zuzustimmen. Ein Beispiel w√§re ein Unternehmen, das dich nicht bittet, ein K√§stchen anzuklicken, um Werbeaktionen und Aktualisierungen zu erhalten (wie es sonst √ľblich ist) ‚Äď sondern dir auf verwirrende Art mitteilt, dass sie dich kontaktieren werden, wenn du dich nicht durch das Anklicken des K√§stchens widersprichst.

Privacy Zuckering

Das Dark Pattern wurde nach Mark Zuckerberg selbst benannt und bezieht sich darauf, Nutzer dazu zu bringen, irref√ľhrenden Datenschutzeinstellungen zuzustimmen, um sie dazu zu bringen, dem Unternehmen mehr Informationen √ľber sich preiszugeben, als sie eigentlich denken. Im Zeitalter von Big Data wird diese Taktik eingesetzt, um verkaufbare Daten von Nutzern zu gewinnen ‚Äď und ist deshalb in vielen L√§ndern durch Gesetze verboten.

Confirm-Shaming (Schuldzuweisung)

Confirm-Shaming liegt dann vor, wenn der Abmeldungsprozess eines Dienstes dich beschämt oder dir ein schlechtes Gewissen macht, weil du ihn verlassen hast. Es ist eine Sache, dir mitzuteilen, dass du dein Konto verlieren wirst, aber eine andere, dir zu sagen, dass es gemein von dir ist, das Unternehmen durch deine Abmeldung traurig zu machen!

Risiko vs. Nutzen: Warum Unternehmen Dark Patterns verwenden

Dark Patterns werden von Unternehmen genutzt, die nicht kundenorientiert arbeiten und nicht verstehen, dass es wichtiger ist, den Kunden ein positives Erlebnis zu bieten, als diese auszutricksen, damit sie dem Unternehmen zus√§tzliche Eink√ľnfte bescheren. Kunden k√∂nnen get√§uscht werden, aber sie sind nicht dumm: Deshalb gibt es Bewertungswebsites. Dort ist garantiert, dass Unternehmen, die Dark Patterns benutzen, Bewertungen erhalten, in denen Nutzer andere vor diesen Taktiken warnen ‚Äď wenn nicht sogar noch schlimmer! Das jeweilige Dark Pattern k√∂nnte illegal sein oder sehr bald werden, da die Gesetzgebung f√ľr das Netz in den vergangenen Jahren aufgeholt hat, und das Unternehmen k√∂nnte sogar eine Geldstrafe in Millionenh√∂he erwarten!

Ein kundenorientierter Ansatz f√ľhrt immer zu langfristigem Erfolg, denn selbst mit dem ausgefeiltesten Produkt, der besten Marketingstrategie und dem besten Kundensupportsystem, wird dein bester F√ľrsprecher immer der zufriedene Kunde sein. B√∂swillige oder unethische Taktiken wie Dark Patterns f√ľhren zu kurzfristigen ‚ÄěGewinnen‚Äú, langfristig aber zu Verlusten, da die Nutzer erkennen, dass die Unternehmen ihnen zu ihrem eigenen Vorteil schaden.

Wie du dein Design vor Dark Pattern sch√ľtzen kannst

Ein UX/UI Designer ist in allererster Linie die Stimme des Kunden und sein F√ľrsprecher. Wenn du darum gebeten wirst, unethische Praktiken zu implementieren, die in den Bereich von Dark Patterns fallen, scheue dich nicht davor, deine Meinung zu √§u√üern! Damit bewahrst du Nutzer vor schlechten Erfahrungen und vieles mehr: Du ersparst allen, innerhalb und au√üerhalb des Unternehmens, eine Menge √Ąrger. Und als ob das noch nicht genug w√§re, sch√ľtzt du auch deinen Ruf als Designer und leistest solide und gute Arbeit, die du immer mit Stolz in deinem Portfolio f√ľhren wirst.

F√ľr Menschen, die nicht viel √ľber die Feinheit von UX wissen, scheinen Dark Patterns ein einfacher Weg zu sein ‚Äď sie verstehen wom√∂glich nicht, dass diese Praktiken auf lange Sicht tats√§chlich zu schlechteren Ergebnissen f√ľhren. Um diesen Menschen das zu beweisen, kannst du A/B-Tests zu deinem Vorteil nutzen: Teste das Dark Pattern gegen eine bessere Option und nutze die Testdaten, um deinen Standpunkt so darzustellen, dass sie diesen nicht leugnen k√∂nnen!

Doch auch offensichtliche Daten reichen m√∂glicherweise nicht aus, um ein Unternehmen davon zu √ľberzeugen, auf schlechte Praktiken zu verzichten. Wenn du f√ľr ein Unternehmen arbeitest, dass st√§ndig solche schlechten Entw√ľrfe verlangt, die gegen deine Werte sprechen, ist es an der Zeit, sich nach einem neuen Job umzusehen. Schlechte Designs werfen ein negatives Licht auf dich als Designer, weshalb du nicht zulassen solltest, dass dein Portfolio durch das schlechte Urteilsverm√∂gen eines anderen ‚Äěverdorben‚Äú wird. Wir garantieren dir, dass deine Integrit√§t woanders sehr gesch√§tzt wird (und wahrscheinlich auch besser bezahlt wird). F√ľr UX/UI Designer, die sich auskennen und kundenzentriert arbeiten, gibt es eine F√ľlle an M√∂glichkeiten.

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